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In seinem Schreiben bringt er zum Ausdruck, dass das Hospiz Woltersdorf ein Ort der Ruhe und des Lebens für die unheilbar kranken Menschen sei und dass man ihnen dort nicht mit technischen Lösungen, sondern mit Einfühlungsvermögen und Sensibilität begegne und somit deren Würde bewahre.

Den Tagen mehr Leben geben

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich freue mich, dass Sie mir an dieser Stelle die Gelegenheit geben, meine Verbundenheit mit dem Hospiz-Gedanken und Ihrem Vorhaben, in Woltersdorf ein Hospiz zu errichten, zu bekunden. Die Hospizbewegung im Landkreis Oder-Spree stützt sich bislang überwiegend auf ehrenamtliche Kräfte, die unheilbar kranke oder altersschwache Menschen in ihrer häuslichen Umgebung in den letzten Lebenstagen begleiten. Der Gedanke „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben zu geben“, bekommt hier eine sehr fassbare Bedeutung. Ich kenne einige Frauen und Männer, die sich diese Begleitung zur ehrenamtlichen Aufgabe gemacht haben und ich kann nur sagen, der Hospizdienst ist sicherlich eine Aufgabe ganz besonderer Qualität. Sie verlangt nach Persönlichkeiten, die auf die schwierigsten Fragen unseres menschlichen Daseins eine angemessene Antwort finden können - sowohl mit Worten als auch mit tätiger emphatischer Zuwendung. Insofern ist dieser Dienst am Mitmenschen, gleich ob haupt- oder ehrenamtlich, nicht hoch genug zu schätzen.

Nicht weniger wichtig ist aber auch das gesellschaftliche Bemühen, die Kluft zwischen Leben und Tod einzuebnen, das Sterben ins Leben zurückzuholen. Die Verdrängung des eigenen unabänderlichen Schicksals führt zu Beklommenheit und Sprachlosigkeit, wenn wir im Familien- oder Freundeskreis mit Sterben konfrontiert werden.
Auch hier leistet die Hospizbewegung unschätzbare Dienste, wenn es darum geht, uns diese conditio humana wieder bewusst zu machen, den Sichtkontakt zu unseren menschlichen Existenzbedingungen, zu der Verletzlichkeit unseres Daseins aber auch zu unseren psychischen, seelischen und spirituellen Grundbedürfnissen wieder herzustellen.

Insofern ist es nur zu begrüßen, dass die Diakonie-Hospiz-GmbH Wannsee in Kooperation mit dem Evangelischen Krankenhaus Gottesfriede in Woltersdorf und der Krankenhaus Märkisch-Oderland GmbH ein stationäres Hospiz in Woltersdorf errichtet und somit eine Lücke in der Betreuung unheilbar kranker Menschen im Landkreis Oder-Spree schließt. Dabei setzt es einen wichtigen Mosaikstein für eine umfassende Lebensbewältigung und wird ein sichtbares memento mori, zugleich aber auch ein wenig ein Fluchtpunkt unseres Lebens, bei dem wir uns ganz der Gewissheit hingeben können, in unseren schwersten Stunden nicht allein zu sein, sondern uns aufgehoben zu wissen - in der sozialen Gemeinschaft und in der mitmenschlichen Zuwendung.

Das Projekt vermittelt in gleicher Weise die Botschaft eines Ortes der Ruhe und des Lebens. Es ist ein Ort, an dem wir als Gesellschaft dünnhäutig werden müssen, um denen, die körperlichen oder seelischen Schmerz erleiden, nicht mit technischen Lösungen, sondern vor allem mit Einfühlung begegnen, mit einer Sensibilität, die die Würde des Menschen bewahrt. Deshalb möchte ich Ihnen sagen, es ist gut, dass mit dem Neubau in Woltersdorf ein Ort geschaffen wird, an dem diese Bedürfnisse gut aufgehoben sind. Ich wünsche dem Vorhaben daher alles erdenklich Gute und werde seinen Fortschritt aufmerksam beobachten und begleiten.

Rolf Lindemann am 16. Februar 2018
Landrat
Landkreis Oder-Spree

Zu den Grußworten der Unterstützer